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Die Welt der selbstverwalteten Kinder-Kanäle auf WhatsApp
WhatsApp kennen die meisten (erwachsenen) Menschen nur als privaten Raum – als Messenger für Freundesgruppen, Familie, Schule oder Vereine. Doch, seit der Einführung der sogenannten „Kanäle“ im Jahr 2023, können über WhatsApp auch öffentliche Inhalte geteilt und von Fremden abonniert werden. Damit entwickelt sich die App zunehmend von einem reinen Messenger zu einer Social-Media-Plattform. Junge Nutzer*innen stoßen in den Kanälen auf ungefilterte und teilweise problematische Inhalte, dazu zählen etwa unrealistische Schönheitsideale, Falschinformationen, fragwürdige Challenges oder sexualisierte Inhalte – die abonnierten Kanäle finden sich zudem in derselben Anzeige wie private Kontakte und Freund*innen. Laut dem aktuellen Jugend-Internet-Monitor von Saferinternet.at nutzen 82% der Jugendlichen in Österreich WhatsApp und damit häufiger als jede andere Social-Media-App.
Besonders auffällig ist dabei ein neuer Trend: Minderjährige betreiben eigene WhatsApp-Kanäle und posten dort persönliche Inhalte – mit Formaten ähnlich denen von erwachsenen Influencer*innen auf TikTok oder Instagram. Viele der Kinder geben dabei persönliche Daten preis, wie ihren Namen, ihr Alter oder ihre Schule. Eltern hingegen wissen oft nicht, wie die Kanäle genau funktionieren oder dass diese öffentlich sind.
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Alles privat? Vlogs aus dem Kinderzimmer
Eine aktuelle Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen untersuchte 100 von Minderjährigen betriebene WhatsApp-Kanäle sowie das Nutzungsverhalten von Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren. Das Ergebnis: Vor allem Kinder und jüngere Jugendliche ohne Zugang zu klassischen sozialen Netzwerken nutzen WhatsApp-Kanäle aktiv für öffentliche Inhalte.
Diese reichen von Vlogs und Lifestyle-Content, wie „Outfit of the Day“-Videos, über Tanzvideos bis hin zu Tipps zu Freundschaft, Liebe oder Schule. Viele posten regelmäßig Einblicke aus ihrem Alltag – direkt aus dem Kinderzimmer, vom Schulhof oder aus der Freizeit. Oftmals werden sogar Live-Updates aus dem Tagesablauf geteilt und dabei Standorte verraten.
Die Studie zeigt auch: Viele Jugendliche unterschätzen, wie öffentlich diese Inhalte tatsächlich sind. WhatsApp wird oft weiterhin als „privater“ Raum wahrgenommen. Dieses Gefühl übertragen viele auch auf die Kanal-Funktion – obwohl die Inhalte öffentlich auffindbar sein können und potenziell von Tausenden Menschen gesehen werden.
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Wie funktionieren WhatsApp-Kanäle eigentlich?
WhatsApp-Kanäle befinden sich im Bereich „Aktuelles“ der App – dort, wo auch Statusmeldungen angezeigt werden. WhatsApp bietet momentan keine Möglichkeit an, die Kanäle-Funktion auszuschalten. Kanäle können über die Suchfunktion oder direkte Links (wiederverwendbare „Einladungslinks“) gefunden werden, je nach persönlichem Nutzerverhalten bekommt man auch immer wieder neue Vorschläge zugespielt.
Grundsätzlich kann jede Person mit WhatsApp einen Kanal abonnieren – unabhängig vom Alter oder Wohnort. Anders als in Gruppenchats können nur die Admins Inhalte posten. Andere Personen können Beiträge lediglich mit Emojis reagieren und bei Abstimmungen teilnehmen. Die Kanäle sind als einseitige Informationskanäle gedacht, ähnlich wie Newsletter. Die Daten der Abonnent*innen sind für die Admins nicht einsehbar. Doch, Kanalbetreiber*innen können einzelne Nutzer*innen nicht blockieren oder aus einem Kanal entfernen. Umfassende Jugendschutzfunktionen oder eine Begrenzung der Sichtbarkeit speziell für Minderjährige bietet WhatsApp nicht an. Die Verantwortung zur Nutzung der App wird bei den Eltern gesehen.
Um eine wechselseitige Kommunikation mit den Abonnent*innen zu ermöglichen, greifen viele Kanalbetreiber*innen auf andere Tools zurück. Beliebt sind u.a. Apps wie Chumpick und Tellonym, diese ermöglichen es, anonym Fragen zu stellen. Auch werden die Kanäle oft mit verlinkten Gruppenchats ergänzt, hier sind sowohl die Profilbilder als auch die Telefonnummern der Admins sowie aller Gruppenmitglieder für alle Nutzer*innen sichtbar.
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Selbstausdruck mit hohem Risiko
Besonders problematisch ist laut Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen der Umgang mit persönlichen Informationen. Oft geben Kinder sensible Daten preis – etwa ihren Vornamen, ihr Alter, ihre Schule oder regelmäßige Aufenthaltsorte. Fotos und Videos aus dem Alltag ermöglichen oft zusätzliche Rückschlüsse auf Wohnorte oder Freizeitgewohnheiten und zeigen zudem auch andere Kinder aus ihrem Umfeld.
Nicht nur Gleichaltrige, sondern auch zahlreiche Erwachsene folgen minderjährigen WhatsApp-Influencer*innen. In einschlägigen Foren werden Kanäle weiterempfohlen und verlinkt. Die in den Kanälen geteilten Fotos und Videos können abgespeichert und geteilt werden. Selbst alltägliche Inhalte können in problematischen Online-Kontexten weiterverbreitet oder zweckentfremdet werden.
Gerade weil WhatsApp von vielen Eltern weiterhin vor allem als Messenger wahrgenommen wird, bleibt die öffentliche Dimension der Plattform oft unbeachtet.
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