Jugendtrend Newsletter

Der Newsletter von Eurodesk Österreich und den Österreichischen Jugendinfos widmet sich jeden Monat digitalen Inhalten und Entwicklungen in der Onlinewelt von jungen Menschen.

Deep Dive

Is it me or is this porn? Die Spielarten von Fetisch und sexualisierten Inhalten auf Social Media
 

TikTok und Co. bieten eine Vielzahl von Inhalten, die in unterschiedlichen Ausmaßen sexuell aufgeladen sind. „Thirst Traps“, also aufreizende Selbstdarstellungen, gehören genauso wie „sexy“ Tänze zum Standardrepertoire der Videoplattformen. 

 

Doch sind sexualisierte Inhalte immer für die Zuseher*innen als solche erkennbar?

 

Die Grenzen zwischen Nischen-Fetisch, der für Außenstehende nicht als sexualisiert erkennbar ist und etablierten, für die meisten Erwachsenen nachvollziehbarer sexualisierter Content, sind fließend. Oft bewegen sich solche Inhalte in einer Grauzone: Sie zeigen keine Nacktheit, verstoßen nicht eindeutig gegen Plattformregeln und sind dennoch bewusst sexualisiert oder doppeldeutig gestaltet.

 

Fest steht: Creator*innen nutzen sexualisierten oder Fetisch-Content gezielt, um Reichweite aufzubauen, starke Reaktionen auszulösen, Geschenke in Livestreams zu erhalten oder Nutzer*innen auf andere (einschlägige) Plattformen weiterzuleiten. Diesen Creator*innen ist bewusst, dass ihre Inhalte (auch) als sexualisiert oder Fetisch-Content gelesen werden können und bedienen die Zielgruppen wissentlich. 

 

Das kann etwa passieren durch den Fokus auf bestimmte Körperteile, übertriebene Geräusche/Stöhnen, Grimassen und Sabbern, repetitive Bewegungen, „wet and messy“-Content oder bewusst infantilisierte Darstellungen. Beliebte Inhaltsformate auf TikTok, wie ASMR, Seifen- & Slime-Clips, Süßigkeiten-Verkostung, Mukbang, Skincare oder Bastel-Tutorials, arbeiten mit ähnlichen Mechanismen: repetitive Bewegungen, Nahaufnahmen und sichtbare Fortschritte. Millionen Menschen schauen solche Inhalte zur Unterhaltung, zur Entspannung oder weil sie „satisfying“, also „befriedigend“, wirken.

 

Der sexualisierte Inhalt ist oft nicht für alle Zuseher*innen erkennbar oder eindeutig – sei es aufgrund ihres Alters, ihrer Unerfahrenheit mit sexualisierten Inhalten oder fehlendem Wissen über Fetische. Der Content wirkt dann auf diese Nutzer*innen einfach unsinnig, komisch oder mitunter verstörend. Ein Beispiel dafür sind DIY-Tutorials von Kanälen wie 5-Minute Crafts (12,8 Mio. Follower). Die Video-Tutorials wirken großteils unsinnig bis falsch und bewegen sich zwischen Rage-Bait und Fetisch-Inhalten (Artikel Marie Claire 2024). 

 

Gerade für Kinder und Jugendliche kann der Content herausfordernd sein: Sie konsumieren Inhalte, ohne zu erkennen, dass diese bewusst sexualisierte Dynamiken oder Fetisch-Codes enthalten. Gleichzeitig lernen sie dadurch möglicherweise unbewusst bestimmte sexualisierte Darstellungen, Körpersprachen oder Verhaltensweisen als „harmlosen" Content kennen und reproduzieren diese selbst weiter. In den Kommentarspalten werden sie mit Zweideutigkeit konfrontiert. Die Reaktion von Erwachsenen auf diese Videos verunsichert sie womöglich. 

 
 
 
Sexualisierte Inhalte, Streiche und Consent

 

Plattformen wie TikTok, YouTube oder Reality-TV-Formate stehen generell immer wieder in der Kritik, Inhalte zu fördern oder zu produzieren, die Minderjährige sexualisierten Inhalten aussetzen bzw. Minderjährige sexualisiert darstellen.

 

Bekannt ist diese Diskussion auch aus Shows des Senders Nickelodeon. Die Dokumentation „Quiet on Set: The Dark Side of Kids TV“ (2024) beleuchtet nicht nur die Arbeitsbedingungen der Kinderdarsteller*innen, sondern auch die versteckten sexualisierten Inhalte und Fetisch-Codes in Kinderserien. Ähnliche Debatten gibt es rund um Reality-Formate oder im Bereich von Family-Vlogging und Kinderinfluencer*innen. Kritisiert wird dabei unter anderem, dass Inhalte zwar offiziell für ein junges Publikum oder als „familienfreundlich“ produziert werden, gleichzeitig aber sexualisierte Inhalte einsetzten die nicht für die Zielgruppe gedacht sind.

 

Auch „Prank”-Content, also Videos, die „Streiche“ zum Inhalt haben, stellen vermehrt sexualisierte und grenzüberschreitende Inhalte dar. Ähnlich wie in den Nickelodeon-Shows wird sexualisierter Content als Witz und Streich „versteckt“, besonders oft geht es hier darum, jemanden „auszutricksen“ und Fragen des Consent.

Was ist „Fetish Farming“?

 

Unter „fetish farming“ (auch „fetish mining“) versteht sich eine Form der sexuellen Belästigung oder Ausbeutung im Internet. Nutzer*innen werden dabei manipuliert oder dazu gebracht, sexualisierte Inhalte bzw. Fetisch-Inhalte zu erstellen und zu teilen, ohne dass ihnen das bewusst ist. Das passiert etwa durch scheinbar harmlose Challenges und Trends sowie Aufforderungen zu bestimmten Handlungen in den Kommentaren oder per Direktnachrichten.

 

Die betroffenen Personen wissen dabei oft nicht, dass sie Fetisch-Inhalte erstellen, in welchen Communities sie geteilt werden oder welche sexuellen Bedeutungen bestimmte „Trends“ haben und können dieser Nutzung daher nicht zustimmen. Dazu kommt: Für die „Eingeweihten“ besteht gerade darin ein zusätzlicher Reiz, dass die Creator*innen oder andere Zuschauer*innen die sexualisierte Ebene nicht erkennen. Die Unwissenheit der betroffenen Personen wird dadurch selbst Teil der Fetischisierung.

Was sind die Grenzen?

 

Viele Creator*innen übernehmen Trends oder Anfragen ihrer Follower*innen unhinterfragt, weil sie Reichweite generieren oder aktuell populär sind. Sie wissen selbst nicht immer, dass bestimmte Trends oder Ästhetiken sexualisiert gelesen werden können. Gerade jüngere Nutzer*innen können oft schwer einschätzen, warum bestimmte Videos „komisch faszinierend“ wirken oder besonders viel Reichweite generieren und wann Inhalte bewusst sexualisiert oder doppeldeutig gestaltet sind. Gerade Formate wie „Prank-Videos“ und (unsinnige) DIY-Tutorials haben einen hohen Unterhaltungswert und werden oft unhinterfragt konsumiert. Der Algorithmus passt sich daran an und spielt immer noch „verrücktere“ Videos aus.

Ressourcen - Wie mit Kindern über sexualisierte Inhalte sprechen?

 

Saferinternet.at: Sexualität und Internet

Gewaltinfo: Sexualität und digitale Medien

 

Viral

Get ready without me

Charli XCX hat diesen Trend wieder belebt :) 

Beispiel-Video

Netflix Documentary

Der Trend zeigt, zu welchem Thema wir einiges zu sagen hätten.

Beispiel-Video

#pooljump

In diesem Trend springen wir einfach drauf los und landen im Pool. 

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Erling Haaland

Der norwegische Stürmer ist der Social Media Star der WM - Tore, Statistiken, Memes und Fanvideos inklusive.

Snapchat-Sammlung

Updates

Sony stellt 2028 Produktion von PlayStation-Spielen in DVD-Format ein

>>> Kritisiert wird, dass das Weitergeben und Teilen von Spiele damit unmöglich wird.

 

Meta Glasses x Kylie Jenner

Mit der Kooperation sollen KI-Brillen für junge Frauen attraktiv gemacht werden - die enormen Bedenken bezüglich Datenschutz und Consent bleiben bestehen. 

>>> Video zum Thema von Scroll Deep 

 

What'sApp führt Usernamen ein

Sie sollen den Datenschutz verbessern. Aber Vorsicht bei der Option "Instagram/ Facebook- Benutzernamen verwenden" - der Nutzername kann so von allen Follower*innen "erraten" werden. Deshalb doppelt wichtig: In den Einstellungen auch den Sicherheitscode aktivieren. >>> Infos und Tipps von Chip.de

 

Explore

 
LLMOs und Quellenangaben? 

Large Languge Models inkludieren Quellenangaben in ihren Antworten, doch auch diese beruhen auf Wahrscheinlichkeit - die tatsächlichen Infos wurden nicht direkt von den Quellen übenommen, das Modell hält es nur für wahrscheinlich, dass die Infos dort so zu finden sind. >>> Video zum Thema von Casey Fiesler 

 

Welche Daten sammelt die Pintrest-App über mich?

Die Pinterest-App sammelt jede Menge Daten und darf diese laut Nutzungsvertrag auch an Dritte verkaufen. >>> Hier gehts zum Video!

 
Jugendwörter erklärt für Boomer

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