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Rizz, Yallah, Bratan: Woher kommen die Begriffe der „TikTok-Sprache“?
Slay, woke, rizz: Viele Begriffe, die heute als typischer Gen-Z- oder TikTok-Slang gelten, haben ihren Ursprung nicht einfach „im Internet“. Viele kommen aus dem African American Vernacular English, kurz AAVE (auch Ebonics oder Black English genannt). AAVE ist eine eigenständige Varietät des Englischen mit eigener Grammatik, Geschichte und kulturellem Kontext. Auch eine aktuelle Studie beschreibt, wie solche Begriffe auf TikTok oft als allgemeine „Internet language“ oder „Gen Z language“ umgedeutet werden, obwohl sie ursprünglich aus dem afroamerikanischen Sprachgebrauch stammen.
In den USA ist die Übernahme von AAVE stark mit Fragen rund um Rassismus, kulturelle Aneignung und soziale Ungleichheit verbunden (Video NBC News). Begriffe wie „Blaccent“ und „vocal blackface“ beschreiben, wenn weiße Menschen bewusst oder unbewusst eine stereotypisch afroamerikanische Sprechweise übernehmen, um cooler, lustiger oder authentischer zu wirken. Problematisch ist dabei nicht jedes einzelne Wort. Kritisiert wird vielmehr die unterschiedliche gesellschaftliche Rezeption: Während Schwarze Menschen für dieselbe Sprache oft diskriminiert oder weniger ernst genommen werden, können weiße Creator*innen und Celebrities damit Reichweite, Prestige oder soziales Kapital gewinnen. Gleichzeitig werden Begriffe häufig verwendet, ohne ihren historischen oder gesellschaftlichen Kontext zu kennen.
Social Media beschleunigt diesen Prozess enorm. Wörter, Redewendungen und Sprechweisen verbreiten sich über TikTok, Instagram oder YouTube in wenigen Tagen weltweit. Dabei lösen sie sich oft von ihrem ursprünglichen Kontext, werden neu interpretiert, eingedeutscht oder einfach als „Jugendsprache“ abgespeichert. Aus einem kulturell verankerten Ausdruck wird dann ein Trendwort, das scheinbar allen gehört.
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Wie steht Hawara zu Habibi?
Wie sieht das im deutschsprachigen Raum aus? Auch hier übernimmt Jugendsprache seit Jahren immer stärker Wörter aus anderen Sprachen oder migrantisch geprägten Sprachräumen. Neben Begriffen aus dem AAVE ist das besonders bei Begriffen aus dem Arabischen der Fall:
- Habibi – eigentlich „Geliebte*R“, oft verwendet wie „Bro“ oder „Freund*in“
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- Inshallah – „so Gott will“ – Satzergänzung, wenn man über Zukünftiges spricht
- Wallah – „bei Gott“ - Schwurformel im Sinn von „ich schwöre“
- Yallah – „los“, „komm schon“
Aber auch andere Sprachen prägen Jugendsprache zunehmend:
- Russisch: Bratan – „Bruder“/ „Kumpel“
- Türkisch: Abi – „großer Bruder“
- Ich küss dein Auge – Ausdruck von Dankbarkeit, Zuneigung und Wertschätzung
Der Wiener Lehrer Matej Jakic beschreibt in seinem Buch „Bin Straßenbahn, wallah“ Jugendsprache als Spiegel einer mehrsprachigen Stadtgesellschaft – und sieht die Entwicklungen nicht als Sprachverfall, sondern als Sprachwandel und Sprachvielfalt.
Neu ist dieses Phänomen allerdings nicht. Viele etablierte und teilweise schon wieder altmodische Wörter im österreichischen Dialekt haben ihren Ursprung ebenfalls in Minderheitensprachen, etwa im Romani:
- Hawara – Freund, Kumpel
- Kaff – kleines Dorf oder abgelegene Gegend
- Auf etwas Bock haben – von „bokh“ (Hunger)
- Zaster – Geld
Sprache war also immer schon in Bewegung. Was sich verändert hat, ist die Geschwindigkeit: Durch Social Media werden Begriffe heute schneller sichtbar, schneller kopiert und schneller zum Trend.
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Gemma Lugner: Ethnolekt und Standardsprache
Dabei werden nicht nur einzelne Wörter übernommen. Oft werden auch andere Merkmale sogenannter „Ethnolekte“ kopiert. Dazu gehören etwa bestimmte Satzstellungen, Betonungen oder vereinfachte grammatische Strukturen. Beispiele sind das Weglassen von Artikeln oder eine bewusst reduzierte Grammatik, wie in dem bekannten Ausspruch „Gemma Lugner!“ statt „Lass uns gemeinsam in die Lugner City gehen!“ Gerade diese Abweichung von sprachlichen Regeln wirkt auf viele Jugendliche lässig, rebellisch oder besonders authentisch.
Jugendsprache war immer schon ein Mittel, um Zugehörigkeit, Abgrenzung und Identität auszudrücken. Neu ist heute vor allem, wie stark Social Media Sprachtrends globalisiert und beschleunigt. Wörter wandern innerhalb weniger Wochen aus bestimmten Communities in den Mainstream – oft ohne ihren ursprünglichen kulturellen Kontext mitzunehmen. Genau deshalb wird online zunehmend diskutiert, wo die Grenze zwischen normalem Sprachwandel, popkulturellem Einfluss und problematischer Aneignung verläuft. Denn Sprache verändert sich ständig – aber nicht alle Menschen werden für dieselbe Sprache gleich bewertet.
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Viral
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What I Looked Like When...
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Bei diesem TikTok-Trend werden alte Fotos zum Plot-Twist!
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Act It Out with
Your Eyes
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Hier wird eine bekannte Szene nur mit Gesichtsausdrücken nachgespielt, ohne die Worte tatsächlich auszusprechen.
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Guess the Number
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Bei diesem TikTok-Trend müssen Personen eine Zahl erraten, die sie selbst nicht sehen können.
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Totally Worth the Money
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Dinge, Erlebnisse oder Anschaffungen, die sich besonders gelohnt haben.
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Polyester-Lifestyle
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Begriff „Polyester-Lifestyle“ als Sinnbild für einen künstlich inszenierten oder „fake“ wirkenden Lebensstil.
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Look-alike-Cat-Trend
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Beim Trend „We look alike“ zeigen Nutzer*innen auf humorvolle Weise, wie ähnlich sie ihren Haustieren sehen.
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Warum der "kinda chic" Trend schon wieder vorbei ist
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„Kinda chic“ wurde auf TikTok innerhalb kürzester Zeit zum neuen Ausdruck für alles, was irgendwie stylish, cool oder ästhetisch wirkt – und genau diese schnelle, massenhafte Nutzung hat den Begriff fast genauso schnell wieder uncool gemacht.
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