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Murder, schmurder – Wie Algorithmen unsere Sprache verändern
Wer auf Plattformen wie TikTok unterwegs ist, stößt häufig auf deplatzierte oder ungewohnte Begriffe und Schreibweisen, die zuerst kontextuell eingeordnet werden müssen, um den Inhalt zu verstehen. Was zunächst wie ein kreativer Internet-Trend wirkt, ist tatsächlich eine direkte Reaktion auf automatisierte und KI-basierte Inhaltsmoderation: sogenannter Algospeak. |
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Zwischen Schutz und Einschränkung
Soziale Netzwerke setzen auf automatisierte und KI-basierte Systeme, um Inhalte zu prüfen. Bestimmte Wörter und Themen – etwa Gewalt, Sexualität oder psychische Gesundheit – werden dabei erkannt und können dazu führen, dass Inhalte eingeschränkt werden. Das Ziel dahinter: Nutzer*innen sollen vor problematischen oder schädlichen Inhalten geschützt werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass auch Inhalte, die informieren, aufklären oder sensibilisieren wollen, betroffen sind. Beiträge werden teilweise weniger ausgespielt, demonetarisiert oder gelöscht. |
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Algospeak als Anpassungsstrategie
Aus dieser Dynamik heraus hat sich eine neue Form der digitalen (Sprach-)Praxis entwickelt. Nutzer*innen passen ihre Ausdrucksweise gezielt an, um die automatisierten Filtersysteme zu umgehen. Dabei lassen sich mehrere Strategien beobachten: 1. Veränderte Schreibweise (Leetspeak) Leetspeak wird in Untertiteln, Captions und Kommentaren benutzt – Buchstaben werden durch ähnlich aussehende Zeichen ersetzt. Beispiele dafür sind „@b0rt!0n“ statt „abortion“ oder „Depressi0n“ statt „Depression“. 2. Abkürzungen Abkürzungen werden in Schrift und Sprache angewandt, z. B. "SA" für „sexual assault“, auch in der Verbform „SA-ed“ oder der Begriff „‘tism“ für „autism“. Diese Abkürzung findet auch in der Online-Redewendung „somebody’s got (a touch of) the ‘tism“ Anwendung. 3. Homophone und Reime
Homophone und Reime werden sowohl im Text als auch in der gesprochenen Sprache verwendet. Bei Homophonen werden Wörter phonetisch abgeändert, bleiben aber verständlich, z. B. „seggs“ statt „Sex“. Andere Formen ergeben sich aus Reimen, z. B. „grape“ (Traube) statt „rape“ (Vergewaltigung). Auch Verballhornungen wie „schmurder“ statt „murder“ fallen in diese Kategorie. 4. Wortschöpfungen und Ersatzwörter Manche Begriffe werden neu gebildet und etablieren sich schnell in der Plattformkultur: „to unalive“ ersetzt im Englischen sowohl „jemanden töten“ als auch „sich das Leben nehmen“. Ersatzwörter können einen verharmlosenden Eindruck vermitteln, wie z. B. das Wort "Panini" für „Pandemie“, oder „accountant“ (Buchhalter*in) als Synonym für Sexarbeiter*in, ausgehend von dem Lied I'm an Accountant. 5. Phrasen/ Umschreibungen Hier wird eine Umschreibung für den eigentlichen Begriff kreiert, z. B. „the clock app“ für TikTok, „adult spicy content“ für Pornografie oder „grippy socks vacation“ für einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung. 6. Emojis Oft dienen auch Emojis als Ersatz für sensible Begriffe (siehe auch unser Deep Dive zu Emoji-Codes). Ein bekanntes Beispiel ist das Mais-Emoji 🌽, das für Pornografie steht – abgeleitet vom Reim „corn“ und „porn“. Inzwischen wird der Begriff „corn“ auch in gesprochener Sprache verwendet. |
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Diese Formen sind nicht mit klassischen „verhüllten Flüchen“ zu verwechseln – also sprachlichen Abschwächungen wie „fudge“ statt „fuck“ oder „Scheibenkleister“ statt „scheiße“. Während solche Ausdrücke soziale und/oder religiöse Normen berücksichtigen, geht es bei Algospeak primär darum, technische Filtersysteme gezielt zu umgehen. Algospeak hat auch eine strukturelle Dimension: Er macht sichtbar, wie stark digitale Infrastrukturen Sprache beeinflussen. Algorithmen bestimmen nicht nur, welche Inhalte sichtbar sind, sondern indirekt auch, wie darüber gesprochen werden kann bzw. gesprochen wird. Denn obwohl der Moderations-Algorithmus großteils auf englischer Sprache basiert, werden trendige englische Algospeak-Begriffe von deutschen Creator*innen übernommen. |
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Community, Kritik und Alltagssprache Algospeak entsteht nicht zufällig, die Begriffe werden aktiv von Creator*innen sowie ihren Communities entwickelt und verbreitet. Ein Beispiel ist „neurospicy“ – eine Umschreibung für Neurodivergenz. Solche Begriffe erfüllen mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie umgehen potenzielle Einschränkungen durch Algorithmen, stärken Community-Zugehörigkeit und prägen neue, oft inklusivere Ausdrucksweisen. Was als pragmatische Anpassung beginnt, entwickelt schnell eine eigene Dynamik. Begriffe werden nicht nur verstanden, sondern aktiv weiterverwendet, variiert und verbreitet. Dadurch entsteht eine Art kollektiver Code, der innerhalb von Plattformen funktioniert und Zugehörigkeit signalisiert. |
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Nicht alle Algospeak-Begriffe werden unkritisch betrachtet. „Neurospicy“ wird beispielsweise oft kritisiert, weil der Begriff komplexe Erfahrungen von neurodivergenten Personen banalisieren oder ins Lächerliche ziehen kann. Generell steht Algospeak auch deshalb in der Kritik, weil er Dinge nicht klar benennt und Inhalte dadurch schwerer einzuordnen sind oder verharmlost erscheinen. Die Verantwortung dafür ausschließlich bei den Creator*innen zu suchen, greift jedoch zu kurz – schließlich reagieren sie auf Plattformlogiken und Moderationssysteme, die bestimmte Inhalte einschränken. Das wiederum hat aber auch gute Gründe, denn auch problematische Gemeinschaften und radikale Gruppen nutzen Algospeak gezielt, um ihre Inhalte ungestört zu verbreiten (siehe auch unser Deep Dive zu Emoji-Codes). |
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Ein besonders spannender Aspekt ist die Verschiebung in den Offline-Bereich. Algospeak wird neben Memes und anderen Redewendungen aus dem digitalen Raum zum Teil der (jugendlichen) Alltagssprache. Begriffe wie „unalive“, „neurospicy“ oder „corn“ tauchen zunehmend auch in unmoderierten Settings und außerhalb von Social Media auf. Damit wird Algospeak Teil einer breiteren Entwicklung: Digitale Kommunikationslogiken prägen und verändern Sprache nachhaltig. |
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Wie gut ist dein Wissen zu Algospeak-Begriffen? |
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Viral |
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Fruit AI |
Diese KI-Videos inszenieren animierte Früchte als Figuren in einer Reality-Show – inklusive Drama, Sex und Intrigen. Kritisiert werden sie, weil sie sexistische und rassistische Stereotype bedienen und ein typisches Beispiel für massenhaft produzierte KI-Inhalte („AI Slop“) sind. |
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Pump it! |
Wir tanzen wieder zu dem Superhit der Black Eyed Peas von 2005. |
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#whatwereyoulikeinthe90s |
Zeigt uns Throwbacks aus den 90s! |
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Airpods Switch |
Dieser Trend ist mehr als nur ein Fit Check - er zeigt, mit welchem Soundtrack wir durchs Leben gehen. |
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My Top 5 Horror Movies |
Dieser Trend zeigt eine Aufzählung unserer persönlichen Horror-Erlebnisse. |
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Link-Ups in GB |
Seit Mitte März folgen jeweils hunderte Jugendliche Online-Aufrufen zu spontanen Treffen in Stadtzentren in Großbritannien. Ähnlich wie beim viralen „Pudding mit Gabel“, diesmal jedoch oft ohne klare Handlungsanweisung. Die Treffen führen teils zu chaotischen Situationen und Polizeieinsätzen und könnten sich durch Social Media auch in andere Länder verbreiten. |
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Updates |
EU-Kommission eröffnet Verfahren gegen SnapchatDie Europäische Kommission hat ein förmliches Verfahren eingeleitet, um zu untersuchen, ob Snapchat das Gesetz über digitale Dienste (DSA) in Bezug auf den Schutz von Kindern einhält. >>> Mehr Infos OpenAI stellt Video-KI Sora für Privatkunden ein >>> Hier nachlesen! Meta Ray-Ban-KI-BrillenBei den KI-Brillen von Meta werden Videoaufnahmen von Nutzer*innen nicht nur automatisch, sondern auch von externen Mitarbeitenden gesichtet – teils mit intimen oder illegalen Inhalten. Die Datenschutzbedenken sind groß, besonders weil viele Aufnahmen heimlich entstehen. >>> Hier das Video zum Thema von Scroll Deep |
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Wikipedia Guide Erkennung KI-Einsatz>>> Hier geht es zum Wikipedia-Artikel! Webseite: youraislopbores.me>>> Die Webseite "Your AI Slop Bores Me" lässt Nutzer*innen KI spielen und zeigt den kreativen Output von Menschen. |
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